Interview mit der Hopfenkönigin Theresa Eisenrieder

Theresa und der Hopfen

Für die Zukunft unseres Hopfens wünsche ich mir vor allem eines: echte Zukunftsfähigkeit.

vorstellung

Liebe Theresa, würdest du dich bitte kurz vorstellen?

Ich bin Theresa Eisenrieder aus Oberpindhart, in der Gemeinde Aiglsbach. Ich bin 26 Jahre alt und arbeite derzeit bei der IGN Qualitätshopfen GmbH in Niederlauterbach im internationalen Hopfenvertrieb.

Meine Hobbys sind Skifahren, Wandern, Joggen, Klavier spielen, Skifahren, Schwimmen und vor Kurzem habe ich auch meinen Jagdschein gemacht.

Was ist deine persönliche Verbindung zu Hopfen?

Ich bin mit meinen beiden kleineren Geschwistern auf dem elterlichen Hopfenbaubetrieb aufgewachsen und wir wurden auch als Kinder schon immer mit eingebunden. Nach meinem Fachabitur in Landshut Schönbrunn habe ich dann auch dual Landwirtschaft studiert und neben meinem Studium eine Ausbildung auf zwei Hallertauer Hopfenbaubetrieben und einem Biohopfenbaubetrieb in Hersbruck absolviert. Jetzt bin ich im internationalen Hopfenvertrieb tätig.
Bedeutet: Der Hopfen ist aus meinem Leben eigentlich gar nicht wegzudenken.

Hopfenkönigin

Deine Geschichte: Wie bist du Hopfenkönigin geworden?

Die Wahl zur Hallertauer Hopfenkönigin findet traditionell auf dem Volksfest in Wolnzach statt. Schon im Vorfeld wurde auf unserem Hof ein Vorstellungsvideo von mir gedreht, das auf Social Media und am Wahlabend im Festzelt gezeigt wurde. Dort durfte ich außerdem eine persönliche Rede halten und mich in einer kleinen Interviewrunde vorstellen.
Besonders berührend war für mich die große Unterstützung von allen Seiten – vor allem aus meiner Ortschaft. Freunde, Bekannte und Nachbarn haben mir unglaublich viel Rückhalt gegeben. Gewählt wurde schließlich in zwei Wahlgängen von rund 2.500 Gästen im Festzelt – ein unvergesslicher
Moment für mich.

Was macht eigentlich eine Hopfenkönigin?

Als Teil des Hallertauer Dreigestirns habe ich gemeinsam mit Franziska und Anna die besondere Ehre, unsere Heimat – die Hallertau – sowie eines ihrer wichtigsten Güter, den Hopfen, national und international zu repräsentieren. Dieses Amt ist weit mehr als eine symbolische Rolle: Es steht für Verantwortung, Tradition und die authentische Vertretung des größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiets der Welt.
Wir sind auf zahlreichen Veranstaltungen im In- und Ausland präsent – von festlichen Anlässen über Fachveranstaltungen bis hin zu politischen Terminen. Dabei fungieren wir als Botschafterinnen unserer Region. Dabei ist es uns ein Anliegen, die Bedeutung unseres „grünen Goldes“ zu vermitteln und zu zeigen, wie viel Wissen, Leidenschaft und Qualität im Hopfen stecken.

 

Die Hallertau ist ein zentraler Pfeiler der internationalen Brauwirtschaft. Hopfen steht dabei nicht nur für eine wichtige Zutat, sondern auch für gelebte Tradition, regionale Identität und wirtschaftliche Stärke – ganz nach dem Motto: „Ohne Hopfen, kein Bier.“


Das Hallertauer Dreigestirn übernimmt somit eine wichtige repräsentative und verbindende Rolle zwischen Landwirtschaft, Gesellschaft, Politik und Brauwesen. Es trägt dazu bei, die Wertschätzung für den Hopfen zu fördern und die kulturelle sowie wirtschaftliche Bedeutung der Hallertau nachhaltig sichtbar zu machen.


Für mich persönlich ist es eine große Auszeichnung und Herzensangelegenheit, Teil dieses Amtes zu sein und unsere Region mit Stolz nach außen zu tragen.

Die Rolle des Hopfens und der Region

Hopfen ist ein besonderes Kulturgut – was fasziniert dich persönlich am Hopfenanbau?

Mich fasziniert am Hopfenanbau vor allem seine Vielseitigkeit. Kaum eine andere Kulturpflanze verlangt über das gesamte Jahr hinweg so unterschiedliche Tätigkeiten und Fähigkeiten. Von intensiver Handarbeit im Hopfengarten über zahlreiche Traktor- („Bulldog-“) Einsätze bis hin zu Werkstatt- und Maschinenarbeiten ist alles dabei. Gleichzeitig erfordert der Hopfenanbau viel Weitblick und sorgfältige Planung für die kommenden Jahre. Diese Mischung aus körperlicher Arbeit, technischem Know-how und strategischem Denken macht den Reiz für mich aus – und sorgt dafür, dass es nie langweilig wird.

Welche Rolle spielt der Hopfen für die Hallertau – wirtschaftlich, kulturell und touristisch?

Wirtschaftlich hat der Hopfen bei uns in der Region eine sehr große Bedeutung. Als größtes zusammenhängendes Hopfenanbaugebiet der Welt deckt die Region über 30 % des globalen Bedarfs und ist ein wichtiger Exportfaktor für Bayern. Besonders in der kleinstrukturierten Landwirtschaft bietet der Hopfen auch kleineren Betrieben gute Zukunftsperspektiven. Gleichzeitig sichert er zahlreiche Arbeitsplätze – vom Anbau über Verarbeitung und Handel bis hin zu Forschung und Logistik – und ist damit ein zentraler Motor für die regionale Wirtschaft.

 

Die kulturelle Bedeutung des Hopfens in der Hallertau zeigt sich nicht nur in der Landwirtschaft, sondern ist tief im alltäglichen Leben der Menschen verwurzelt. So finden sich Hopfenmotive häufig in Schmuckstücken und Trachten wieder, die mit Stolz in der Region getragen werden. Darüber hinaus prägen zahlreiche Hopfenfeste das gesellschaftliche Leben und bringen die Gemeinschaft zusammen – sie sind Ausdruck von Tradition, Identität und regionalem Zusammenhalt. Auch kleinere Bräuche
und Rituale rund um Anbau und Ernte des Hopfens werden bis heute gepflegt und von Generation zu Generation weitergegeben. Der Hopfen ist somit weit mehr als nur eine Nutzpflanze: Er ist ein Symbol für Heimat, Geschichte und gelebte Kultur in der Hallertau.

 

Erst durch den Hopfen gewinnt die Hallertau ihre besondere touristische Anziehungskraft. Die charakteristische Kulturlandschaft mit ihren weitläufigen Hopfengärten begeistert jedes Jahr zahlreiche Besucher und verleiht der Region ein unverwechselbares Erscheinungsbild. Zwar ziehen auch die Städte und Märkte der Hallertau Touristen an, doch erst die Hopfenlandschaft unterstreicht diesen Reiz und trägt entscheidend dazu bei, den Tourismus in der Region weiter zu stärken und wachsen zu lassen.

Was macht die Region für dich besonders lebenswert und einzigartig?

Was unsere Region besonders lebenswert macht, sind die Menschen: Zusammenhalt, Tradition und tiefe Verwurzelung prägen das tägliche Miteinander. Gleichzeitig verbindet die Hallertau Regionalität mit Weltoffenheit, denn unser Hopfen als „grünes Gold“ bringt unsere Heimat in Biere auf der ganzen Welt.
Hinzu kommt die zentrale Lage im Herzen Bayerns: Städte wie München und Regensburg sind schnell erreichbar, und auch die Alpen liegen in greifbarer Nähe. Besonders ist zudem unsere vielfältige Kulturlandschaft – von hügeligen Weiten über flache Regionen bis hin zu ausgedehnten Wäldern ist die Hallertau überraschend abwechslungsreich. Für mich ist sie deshalb weit mehr als nur ein Ort zum Leben – sie ist Identität, Herz und Heimat zugleich.

Theresa beim Hopfenernten

Persönliches

Was ist dein persönlicher Lieblingsmoment im Hopfenjahr – z. B. zur Erntezeit oder beim Hopfenzupfen?

Ich muss persönlich gestehen, dass ich zwei absolute Lieblingsmomente im Hopfenjahr habe.
Einmal im März, wenn die Arbeit draußen in den Hopfengärten wieder so richtig los geht. Am besten, wenn viele Arbeiten bei uns am Hof gleichzeitig passieren und alles wieder richtig lebendig ist.
Und der Zweite, wenn wir bei uns zu Hause auf unserem Betrieb die letzten beiden Fuhren Hopfen holen. Da kommt die ganze Mannschaft zusammen. Gemeinsam fahren wir mit Blumen geschmückten Abreisgeräten durch unsere Ortschaft, hupen fröhlich und feiern den erfolgreichen Abschluss der Ernte. Zum Schluss hängen wir gemeinsam die letzten Hopfenreben in die Maschine ein. 

Gibt es ein typisches Hopfen- oder Biergericht, das du besonders gerne magst?

Gute Frage 🙂 Grundsätzlich glaube ich, dass Bier bei vielen Gerichten eine geeignete Zutat zur Verfeinerung ist.

Wenn du Gästen die Hallertau in einem Satz beschreiben müsstest – wie würde dieser lauten?

Die Hallertau ist eine einzigartige Region, geprägt von kleinen Strukturen, gastfreundlichen Menschen, einer tiefen Kultur, Lebensfreude und natürlich unserem „grünen Gold“ den Hallertauer Hopfen.

Hast du eine lustige, berührende oder überraschende Geschichte aus deiner Amtszeit, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ein besonders eindrucksvolles und berührendes Erlebnis war für mich der Schützen- und Trachtenumzug auf dem Oktoberfest in München. Gemeinsam mit der Bayerischen Bierkönigin durfte ich in einer Kutsche an diesem traditionsreichen Umzug teilnehmen. Bei strahlendem Sonnenschein in unserer wunderschönen bayerischen Hauptstadt konnten wir die Bedeutung von Hopfen und Bier für Bayern auf besondere Weise repräsentieren. Einige Tage später durfte ich zudem im Augustiner Oktoberfestzelt einen Hirschen anzapfen – ein Moment, der mir großen Spaß gemacht hat und tatsächlich besser gelungen ist, als ich es anfangs erwartet hätte.

Was wünschst du dir für die Zukunft des Hopfens und der Landwirtschaft in der Region?

Für die Zukunft unseres Hopfens wünsche ich mir vor allem eines: echte Zukunftsfähigkeit. Das bedeutet gezielte Investitionen in Forschung und Innovation rund um unser grünes Gold – von der Züchtung über moderne Anbaumethoden bis hin zur Technik. Ebenso brauchen wir eine verlässliche und praxistaugliche Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, die einen nachhaltigen und erfolgreichen Hopfenanbau langfristig sichert. Und nicht zuletzt politische Rahmenbedingungen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Hopfenanbaus in der Hallertau stärken – statt sie zu gefährden.

Vielen Dank!