Interview mit Regina Straub – Was das Museum Vohburg so besonders macht

Regina Straub - Museum Vohburg

Mit der Mischung aus originalen Exponaten, der digitalen, interaktiven Vermittlung können Besucherinnen und Besucher Geschichte anschaulich erkunden und erleben.

Stellen Sie das Museum Vohburg bitte kurz vor.

Am 12. September 2022 eröffnete das Museum Vohburg im historischen Gebäude des Pflegerschlosses auf dem Burgberg mit einem innovativen Konzept.
Dieses verbindet die klassische Ausstellung mit digitaler Geschichtsvermittlung.
Zwischen antiken Münzschätzen, Keramik und Knochenfunden findet sich hier der „Napoleonstuhl“, der vom Besuch des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte in der Stadt zeugt.
Multimediale und interaktive Angebote wie iPad-Touren und Virtual Reality-Brillen laden dazu ein, die Siedlungsgeschichte der Region und die historische Entwicklung der Stadt auf vielerlei Art zu erkunden.

Können Sie uns erzählen, was das Museum Vohburg besonders macht?

Die konsequent durchgängige digitale Vermittlung auf überschaubarem Raum.
Mithilfe zur Verfügung gestellter Tablets scannen die Besucherinnen und Besucher QR-Codes, die sich neben ausgewählten Objekten befinden, und erfahren dadurch Details bzw. Hintergrundinformationen zu dem jeweiligen Exponat. Darüber hinaus offeriert das Museum eine Vielfalt weiterer multimedialer, interaktiver Angebote wie Touch-Screen-Monitore mit Bild- bzw. Hörsequenzen, Großbildschirme mit Videofilmen und VR-Brillen, die im Eröffnungsraum in Regalfächern bereitliegen.

Welche historischen Epochen oder Themen werden hier besonders hervorgehoben?

Die Siedlungsgeschichte der Region von der Steinzeit bis zu den Kelten und Römern wird mit faszinierenden archäologischen Objekten präsentiert. Hierbei können die digitale 3D Idealrekonstruktion eines bronzezeitlichen Dorfes ferner eines antik-römischen Gutshofes, einer sogenannten „villa rustica“, anschaulich auf dem iPad erkundet werden.
Die historische Entwicklung der Stadt im Mittelalter mit den verschiedenen Bauphasen der Vohburg sowie die Gegenstände des Alltagslebens auf der Burg, die man auf dem Burgberg gefunden hat, nehmen einen großen Teil der Dauerausstellung ein.
Zusätzlich wurde der für die Vohburger Stadtgeschichte bedeutsamen Persönlichkeit Agnes Bernauer und den mit ihr verbundenen Freilichtfestspielen ein eigener Raum gewidmet.

Wie hat sich das Museum in den letzten Jahren verändert oder weiterentwickelt?

Vermittlung, kulturelle Bildung und Partizipation
Als Museumsleiterin und Kulturpädagogin entwickelte ich ein personales Vermittlungskonzept sowie partizipative Angebote.
Neben Führungen und Workshops, legen wechselnde Themenausstellungen mit Bürgerbeteiligung den Fokus auf Teilbereiche der Vohburger Geschichte. Sie lenken ebenso den Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und laden die Besucherinnen und Besucher ein, aktiv zu werden. In Verbindung mit Kulturveranstaltungen, Projekten wird das Museum zum Lern-, Austausch- und Begegnungsort.

Steigerung der Diversität des Publikums
Im Rahmen eines von der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern geförderten Projektes wurde 2024 die Mehrsprachigkeit der Museumstexte und Medien (Englisch, Französisch) realisiert.
Aktuell sind wir dabei ein Juniormuseum als iPad-Tour für Kinder und Jugendliche umzusetzen. Vier 3D Identifikationsfiguren (Junge, Mädchen, Maus, Fuchs) leiten dabei das Kind durch die Museumsräume.

Digitale Vernetzung der Museumsinhalte im Außenbereich
Der „Geschichtsweg Vohburg a. d. Donau“ kann demnächst als App auf dem Handy heruntergeladen werden. Per GPS werden an den jeweiligen Stationen 12 Videos, Audio-Sequenzen, VR/AR-Bilder zur Stadtgeschichte abgerufen. Der Weg führt bis zum Burgberg und Museum.

Gibt es eine Ausstellung oder ein Objekt, das Ihnen persönlich besonders am Herzen liegt? Warum?

In Irsching stieß man 1921 auf zwei Frauengräber mit herausragenden Beigaben: Vergoldete 5-Knopf-Bügelfibeln aus Silber sowie weitere Schmuckgegenstände. Die reich verzierten Bügelfibeln sprechen dafür, dass die Bestatteten vornehme Alamanninnen waren, die während der Völkerwanderungszeit zugezogen sind.
Einerseits erzählt die Fibel, dass die Menschen damals ihre Gewänder quasi mit „Sicherheitsnadeln“ schlossen und der Knopf noch nicht erfunden war. Andererseits zeigt sie uns, welche Siedlerinnen und Siedler in dieser Epoche im Raum Vohburg lebten.

Wie gelingt es dem Museum, Geschichte für jüngere Besuchende spannend zu vermitteln?

Dies gelingt dem Museum Vohburg sehr erfolgreich mit der abwechslungsreichen medialen Vermittlung, den digitalen 3D Rekonstruktionen und den Virtual-Reality-Brillen. Zusätzlich mit dem museumspädagogischen Programm und künftig mit dem erwähnten Juniormuseum.

Sind die Besucherinnen und Besucher eher aus der Region oder eher von weiter weg?

Die Erlebnisangebote nehmen vor allem Kinder, Bürgerinnen und Bürger aus der Region wahr. Innerhalb der Einzelbesuche bilden Touristen aus ganz Deutschland und Europa (Niederlande, Italien, Spanien) den größeren Anteil.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen im Museum aus?

Meine Arbeitstage sind niemals gleich, und genau das macht für mich den Reiz der Museums- und Kulturarbeit aus – die große inhaltliche und organisatorische Abwechslung. Ich schätze besonders die Vielfalt der Aufgaben und die Möglichkeit, kreativ und zugleich strukturiert zu arbeiten.

Ein großer Teil meiner Tätigkeit besteht im direkten Kontakt mit Menschen – sei es mit Besuchern, Künstlern oder externen Referenten. Ich entwickle museumspädagogische Formate, organisiere Ausstellungen und gestalte die dazugehörigen Texte, Printmedien und Pressematerialien. Auch PR und Marketingmaßnahmen, sowohl klassisch per Post als auch digital per E-Mail, gehören regelmäßig dazu, ebenso wie das Erstellen von Auswertungen und Statistiken zur Erfolgskontrolle.

Darüber hinaus führe ich selbst Führungen, Workshops und Schulprojekte durch, bin aktiv im Networking, in der Akquise von Spenden und Fördermitteln sowie in der Beantwortung inhaltlicher Anfragen. Auch konservatorische Aufgaben gehören zum Alltag – etwa die Zusammenarbeit mit einem Restaurator beim Monitoring und der Pflege der Exponate.

Nicht zuletzt bin ich für die Leitung und Koordination von Mitarbeitenden zuständig, optimiere Arbeitsabläufe, entwickle Ausstattung und Medien weiter und beschaffe diese, wenn nötig. Diese Vielseitigkeit – zwischen Konzeption, Kommunikation, Organisation und Umsetzung – macht meinen Arbeitsalltag besonders spannend und erfüllend.

Angenommen, Sie müssten das Museum nur mit drei Begriffen beschreiben – welche wären das, und warum gerade diese?

Analog – digital – interaktiv

Mit der Mischung aus originalen Exponaten, der digitalen, interaktiven Vermittlung können Besucherinnen und Besucher Geschichte anschaulich erkunden und erleben.