Das kelten römer museum zeigt nicht einfach nur archäologische Funde, sondern erweckt sie zum Leben.
Markus Strathaus
Leidenschaft Archäologie
Stell dich bitte kurz vor: Wer bist du und wie bist du zur Archäologie gekommen?
Ich heiße Markus Strathaus, bin klassischer Archäologe und arbeite seit 2019 am kelten römer museum manching. Studiert habe ich klassische Archäologie, Alte Geschichte sowie Ur- und Frühgeschichte. Den Grundstein für meine Leidenschaft für Archäologie und Geschichte legte meine Familie, in der sich alle sehr für diese Themen interessieren. Außerdem hatte ich auf dem Gymnasium einen engagierten Lehrer, der meine Begeisterung förderte und mich schließlich zu einem Praktikum auf einer Ausgrabung motivierte. Nicht zu vergessen: Auch „Indiana Jones“ und die „Was ist Was?“-Bücher haben ihren Teil dazu beigetragen.
Was fasziniert dich bis heute an deinem Beruf?
Mich fesselt bis heute der Gedanke, dass sich durch Archäologie eine Brücke zu Menschen schlagen lässt, die vor Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden gelebt haben. Menschen sind zwar physisch vergänglich, doch etwas von ihnen bleibt: Sie leben in gewisser Weise durch die Spuren weiter, die sie hinterlassen. Wer diesen Spuren nachgeht, kann faszinierende Geschichten entdecken. Dabei geht es nicht nur um die Geschichten bedeutender historischer Persönlichkeiten, sondern ebenso um die Spuren „ganz gewöhnlicher Menschen“.
Wann wusstest du, dass du Archäologe werden möchtest?
Laut meinem „Freunde-Buch“ aus der Grundschule stand mein Berufswunsch damals bereits fest: „Archäologe“.
Geschichte zum Anfassen
Das kelten römer museum erzählt die Geschichte der Kelten und Römer in Manching. Warum ist gerade dieser Ort archäologisch so bedeutend?
Zwischen etwa 300 und 50 v. Chr. befand sich im heutigen Manching ein keltisches Oppidum, eine stadtähnlich befestigte Siedlung, die zu den bedeutendsten ihrer Art gehört. Das Oppidum zählt zu den herausragenden archäologischen Fundorten der späten Eisenzeit in Europa. Die Funde aus Manching eröffnen tiefe Einblicke in die keltische Lebenswelt, und die Erkenntnisse aus den Ausgrabungen bilden bis heute eine wesentliche Grundlage für die archäologische Forschung. Wer sich mit keltischer Kultur beschäftigt, kommt an Manching kaum vorbei. In Oberstimm, einem heutigen Ortsteil von Manching, errichteten zudem die Römer um 40 nach Christus ein Kastell zur Sicherung der Donaugrenze. 1986 gelang in der Nähe des Kastells eine sensationelle archäologische Entdeckung: Bei Ausgrabungen auf dem heutigen Barthelmarktgelände kamen die Wracks zweier römischer Militärboote aus der Zeit um 100 nach Christus ans Licht. Sie gelten als die besterhaltenen antiken Kriegsschiffe nördlich der Alpen.
Gibt es einen Fund oder ein Ausstellungsstück, das dich besonders begeistert? Was macht es für dich so besonders?
Mein Lieblingsfund aus der Keltenabteilung ist eine gerade einmal vier Zentimeter lange keltische Mini-Geldbörse, die vermutlich aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. stammt. In ihr befanden sich sechs winzige Goldmünzen. Die kleinste von ihnen wiegt nur 0,328 Gramm – gerade einmal ein Siebtel einer heutigen 1-Cent-Münze. Mich begeistert der Fund zum einen, weil er zeigt, welche Präzision keltische Handwerker selbst bei so winzigen Objekten an den Tag legten. Zum anderen schafft er eine Verbindung zum Alltag von Menschen vor mehr als 2000 Jahren: Trug hier einst jemand sein – im wahrsten Sinne des Wortes – wertvolles „Kleingeld“ sicher am Körper? Mein Favorit aus der Römerabteilung ist eine einzigartige Figurenfibel: Sie zeigt einen vermenschlichten Esel, der auf zwei Beinen läuft. Genau diese ungewöhnliche Darstellung macht das Stück so faszinierend. War es vielleicht ein antiker „Scherzartikel“? Ist es eine Figur aus einer Fabel oder einer anderen Tiergeschichte? Oder hatte die Fibel eine Schutzfunktion und sollte böse Geistern abwehren?
Viele verbinden Archäologie mit spektakulären Ausgrabungen. Wie sieht die Arbeit eines Archäologen tatsächlich aus?
Bei „Archäologie“ denken wir automatisch an Ausgrabungen. Aber der Berufsalltag von Archäolog*innen kann je nach Arbeitsbereich, wissenschaftlicher Spezialisierung und persönlichen Interessen sehr unterschiedlich ausfallen: Manche arbeiten in der Grabungsarchäologie, andere in der Forschung oder – wie ich – im Museum. Ein wesentlicher Teil meines Arbeitsalltags besteht darin, Archäologie zu vermitteln. Ich gebe beispielsweise Führungen für Schulklassen und Erwachsene, kümmere mich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, bereite Ausstellungsstücke für das „Objekt des Monats“ auf und betreue die Social-Media-Kanäle des Museums. Darüber hinaus gehören zu meinem Alltag auch zahlreiche eher „unarchäologische“ Themen – vom Museumsshop über Veranstaltungen bis hin zu Verwaltungssachen. Besonders spannend ist die Vorbereitung einer Sonderausstellung: Wie soll die Ausstellung aufgebaut sein? Welche Exponate sollen gezeigt werden? Und wie lassen sich wissenschaftliche Inhalte verständlich und zugleich ansprechend vermitteln?
Zwischen Vergangenheit und Zukunft
Was macht das Arbeiten im Museum für dich besonders?
Das Schönste an meinem Beruf ist, dass ich meine Begeisterung für Archäologie mit Besucher*innen teilen und im optimalen Fall sogar an sie weitergeben kann.
Was würdest du Besucherinnen und Besuchern empfehlen, die zum ersten Mal ins kelten römer museum kommen?
Nehmt euch genug Zeit, um einen genaueren Blick auf das keltische „Kultbäumchen“ zu werfen. Gerade bei diesem Objekt lohnt es sich, genauer hinzusehen. Schaut euch die Römerschiffe unbedingt aus verschiedenen Blickwinkeln an – von der Empore aus habt ihr einen besonders tollen Blick von oben. Und im Sommer solltet ihr euch zum Abschluss des Museumsbesuchs einen Kaffee auf der Terrasse gönnen.
Wenn du das Museum mit drei Begriffen beschreiben müsstest – welche wären das und warum?
Archäologie. Erleben. Entdecken.
Das kelten römer museum zeigt nicht einfach nur archäologische Funde, sondern erweckt sie zum Leben. In der Dauerausstellung geschieht dies durch Modelle, Teilrekonstruktionen und 3D-Visualisierungen. Dadurch gibt es immer wieder neue Details zu entdecken. Darüber hinaus bieten wir ein vielfältiges Programm: von Museumsfesten mit Darstellergruppen und interaktiven Sonderausstellungen über Vorträge von Gastwissenschaftler*innen bis hin zu besonderen Veranstaltungen wie dem Science Slam oder dem Brettspielevent „Games of Rome“.
Worauf dürfen sich die Besucherinnen und Besucher in nächster Zeit freuen – gibt es spannende Projekte, Sonderausstellungen oder Forschungsvorhaben?
Am 15. November 2026 findet wieder „Games of Rome“ statt – ein Brettspielevent rund um das antike Rom mit Brett- und Rollenspielen zum Ausprobieren, LEGO®-Kreationen und vielen weiteren Aktionen. Außerdem arbeiten wir derzeit an einem Kinderbuch, das bald erscheinen soll, und planen bereits eine weitere Ausgabe des Science Slams „HEUREKA“.
Vielen Dank!
Bildnachweise:
Foto Markus Strathaus: © Florian Trykowski
Foto krm Nordseite: © Michael Heinrich
Foto Kinderführung im krm: © Gerhard Nixdorf